EU-Abgasnormen – was ist das eigentlich?

Die 1988 für schwere Fahrzeuge eingeführten Euronormen legen Höchstwerte für die Schadstoffemissionen aller Neufahrzeuge in Europa fest. Was ist der Zweck dieser Normen? Woher weiß ich, welche Norm für mein Auto gilt? Welche konkreten Auswirkungen haben die Maßnahmen? ViaMichelin hat sich die Sache für Sie genauer angeschaut, damit jeder sich ein klareres Bild davon machen kann.
EU-Abgasnormen – was ist das eigentlich?
©deepblue4you/iStock

Zu welchem Zweck wurden die EU-Abgasnormen eingeführt?

Hauptziel dieser Maßnahmen ist, die Umweltverschmutzung durch den Straßenverkehr – sei es durch LKW, Nutzfahrzeuge, PKW oder Motorräder – zu verringern. Von diesen für alle europäischen Automobilhersteller verbindlichen Normen erhofft sich die EU, die Schadstoffemissionen im Straßenverkehr drastisch zu reduzieren.

Welche Schadstoffe werden derzeit gemessen?

Fahrzeuge stoßen zwei Arten von Emissionen aus: einerseits Treibhausgase, die zur globalen Klimaerwärmung beitragen, und andererseits Gase, die sich negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken. Die EU-Abgasnorm zielt auf Letztere ab. Konkret handelt es sich bei den gemessenen Schadstoffen um Stickoxide oder NOx, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Mikropartikel.

Gut zu wissen: Treibhausgase zählen derzeit nicht zu den Emissionen, um die es in der EU-Abgasnorm geht. Nichtsdestotrotz legt die EU Höchstwerte für den Kohlendioxidausstoß fest, an die sich die Autohersteller halten müssen.

Wie werden die freigesetzten Schadstoffe gemessen?

Nach Einführung der Euronorm gab es bis zum Jahr 2017 ein Programm namens NEFZ, bei dem eine Reihe von Tests auf einem Prüfstand durchgeführt wurden. Die Ergebnisse schienen allerdings zu weit von den realen Einsatzbedingungen der Fahrzeuge entfernt zu sein. Im September 2017 ist der NEFZ-Zyklus dem WLTP-Messverfahren (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures) gewichen, welches mithilfe einer am Fahrzeug angebrachten Messbox Tests auf dem Prüfstand und unter Fahrbedingungen kombiniert.

Was sind die Schadstoffklassen der EU-Abgasnorm?

Die aktuellen Normen gelten ab dem Datum der Fahrzeugerstzulassung:

  • Euro 1: ab 1. Januar 1993
  • Euro 2: ab 1996
  • Euro 3: ab 2001
  • Euro 4: ab 2006
  • Euro 5: ab 2011
  • Euro 6b: ab 2015
  • Euro 6c: ab 2017
  • Euro 6d-Temp: ab 2019
  • Euro 6d: ab 2021

Im Klartext bedeutet das, dass alle Fahrzeuge, die im Jahr 2021 in Verkehr gebracht werden, die 6d-Kriterien erfüllen müssen. Übrigens finden Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 normalerweise im Feld Nummer 14.1 die Emissionsschlüsselnummer, anhand derer Sie die Schadstoffklasse Ihres Fahrzeuges ermitteln können.

Gut zu wissen: Je nach Kategorie, in die das Fahrzeug gehört (Motorrad, Auto, LKW usw.), und je nach Motor gelten unterschiedliche Mess- und Anforderungskriterien.

Wie wirken sich die Normen in der Realität aus?

Erstens richten immer mehr europäische Großstädte sogenannte Umweltzonen ein, die den am wenigsten umweltschädlichen Fahrzeugen vorbehalten sind – was ganz im Sinne der neuesten Euronormen ist. Andererseits zwingen diese Maßnahmen die Fahrzeughersteller, saubere Motoren zu entwickeln, was dem technologischen Fortschritt bei Hybrid- oder Elektrofahrzeugen Vorschub leistet. Infolgedessen sind in gut 20 Jahren die Stickstoffoxidemissionen um das 36-fache, die Feinstaubemissionen um das 35-fache und die Kohlenwasserstoffemissionen um das 18-fache zurückgegangen.

Gut zu wissen: Die Umweltzonen dürfen nur mit einer entsprechenden Umweltplakette befahren werden. Die Euronorm bestimmt, welche Umweltplakette ein Fahrzeug bekommt (die grüne, die gelbe, die rote über gar keine). Nur Fahrzeuge mit Schadstoffklasse Euro 4 oder besser erhalten die grüne Plakette.