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Kleine Auswahl südafrikanischer Weine

Emmanuel Tresmontant-08-06-2010

Wie wäre es, wenn Sie anlässlich der Fußball-WM Ihren nächsten Grillabend unter Freunden einmal nicht mit französischem oder spanischem, sondern mit südafrikanischem Wein begleiten. Die schönsten Tropfen der Winzer Südafrikas sind Weine voller Sonne, deren Textur und Frische den Weinfreund überraschen und Sie bestimmt darüber hinwegtrösten werden, dem großen Sportereignis nur aus der Ferne beiwohnen zu können.

Mit der Befreiung Nelson Mandelas und dem politischen Wandel begann für Südafrika eine neue Ära. Auch der Weinbau erwachte in 1990er Jahren aus einer langjährigen Erstarrung. Statt dem australischen Modell zu folgen, das vor allem auf Technik setzt, sind die Winzer Südafrikas ausgezogen, um zu sehen, was anderswo, insbesondere in Frankreich, in der Weinwelt passiert. Von ihren Reisen brachten sie neben vielerlei Erfahrung den Begriff des „Terroirs“ mit nach Hause, der es ihnen ermöglichte, nach Kriterien wie Bodenbeschaffenheit, Klima und Anbaumethoden die besten Produktionsbereiche (wards) zu definieren.
 
 
Das schönste Weinbaugebiet der Welt
Alle, die einmal eine Reise nach Südafrika gemacht haben, sind beeindruckt von der Schönheit der Weinbaugebiete um Kapstadt und Stellenbosch, wo mehrere hundert Jahre alte, leuchtendweiße Kolonialvillen heute Gesellschaft von oftmals sehr futuristischen Weingütern erhalten haben.
Das südafrikanische Weinbaugebiet befindet sich im Südwesten des Landes, auf halber Strecke zwischen Atlantik und Indischem Ozean. Die meisten Weinstöcke gedeihen hier in einem mediterranen Klima, das den aus dem Rhonetal stammenden Rebsorten wie Syrah, Grenache, Mourvèdre und Viognier sehr zugute kommt. Die daraus hervorgehenden Weine überraschen durch ihre samtige Textur und ihre ozeanische Frische. Das sehr abwechslungsreiche südafrikanische Weinspektrum hat sich in den letzten Jahren um ein paar „nördlichere“ Rebsorten wie Chenin und Pinot Noir sowie Chardonnay und Sauvignon bereichert, doch das Ergebnis ist, meines Erachtens, noch nicht von einer Qualität, die Weinfreunde wirklich begeistern könnte.
 
Constantia: der legendäre Capwein
Wir sind es gewohnt, Südafrika zu den Weinländern der „Neuen Welt“ (Australien, Neuseeland, Kalifornien, Argentinien und Chile) zu rechnen. Dabei vergisst man jedoch, dass in Südafrika schon seit dem 17. Jh. Wein angebaut wird. Es waren die ersten holländischen Siedler, die im Zuge der Gründung eines Handelspostens der Ostindien-Kompanie im Jahr 1652 in Kapstadt die ersten, aus Europa eingeführten Rebstöcke pflanzten, am Fuße des Tafelbergs, dessen bläuliche Sandstein- und Granitfelsen das fruchtbare umliegende Weideland überragen. Unterstützt von den französischen Hugenotten, die nach Südamerika geflüchtet waren und ihr Know-how in Sachen Weinbau mitbrachten, produzierten die ersten Winzer Südafrikas einen legendären Wein, der an allen Königshöfen Europas gereicht wurde: Constantia, bzw. Vin de Constance. Der edle Capwein, der im 18. Jh. ebenso angesehen war wie die großen französischen Sauternes oder die Tokajer aus Ungarn, soll, nach dem Bericht des napoleonischen Exilgenossen Las Cases, eines der letzten Vergnügen gewesen sein, das man dem berühmten Gefangenen auf der Insel St. Helena gönnte. Nach seiner Popularisierung durch die Launen des englischen Handels und den verheerenden Folgen der Reblausplage fand der historische Weinberg erst in den 1980er Jahren zu einstiger Größe zurück. Damals ersetzte man die bis dahin verwendete großbeerige Rebsorte Muscat d’Alexandrie sehr vorteilhaft durch den kleinbeerigen Muscat Blanc de Frontignan, hier Muskadel genannt. Die sehr spät geernteten, bereits am Rebstock rosinierten Muskadel-Beeren bringen einen großen bernsteinfarbenen Süßwein hervor, dessen Aromen von Trockenfrüchten durch Nuancen von Pinie, Orange, Gewürzen und getrockneter Rose verfeinert werden. Noch heute fasziniert der seltene Tropfen Weinfreunde in der ganzen Welt, nicht zuletzt wegen der originellen Flaschenform, die sich seit dem 17. Jh. nicht verändert hat.
Mein Tipp: Servieren Sie ihn zu einer Orangen-Tarte oder einem Bitterschokoladenkuchen..
 
 
Eben Sadie, der größte Winzer Südafrikas
Meine Begegnung mit den außergewöhnlichen Weinen von Eben Sadie verdanke ich der ehrenwerten Pariser Weinhandlung Caves Legrand (gegründet 1880), deren Fassade in der Rue de la Banque für sich allein schon den Umweg lohnt. Auf meine Frage „Welchen südafrikanischen Wein sollte man unbedingt probiert haben?“ antwortete die sympathische Kristeven M’Boungou, Spezialistin für Weine aus der Neuen Welt, ohne Umschweife: „Alle Weine von Eben Sadie!“ Der charismatische Winzer, der als einziger in seinem Land nach biodynamischen Prinzipien arbeitet, hat sich mit seinen Künstlerweinen, die er in der Swartland-Ebene 50 km nördlich von Kapstadt produziert, schnell einen Namen gemacht.
Der spannendste unter seinen Weißweinen ist ein Verschnitt verschiedener französischer Rebsorten: Viognier (40 %), Chenin (20 %), Chardonnay (20 %) und Grenache Blanc (20 %). Ein auf den ersten Blick etwas ungewöhnlicher „Fruchtsalat“, der jedoch eine höchst interessante Identität und Struktur besitzt. Der Wein ist kräftig und sinnlich und besticht in der Nase durch Aromen von Pfirsich und weißen Blüten, am Gaumen durch seine volle, geschmeidige Textur und seine angenehme Säure.
Mein Tipp: Als Begleiter verdient dieser Wein kräftige, herzhafte Speisen wie Hummersalat, Spaghetti mit Poutargue oder sogar eine scharf gewürzte Paella …
 
Was den Rotwein betrifft, hat sich Eben Sadie auf Rebsorten aus dem Rhonetal spezialisiert, einer Region, die er sehr gut kennt. Sein Columella, gekeltert aus Syrah (85 %) und Mourvèdre (15 %) wird 24 Monate in neuen Fässern ausgebaut und ist eine echte kleine „Bombe“, die den großen französischen Côtes-Rôties in nichts nachsteht: komplexe Nase mit Aromen von Leder, Tabak, Olive und schwarzer Johannisbeere, am Gaumen intensiv, großzügig und frisch. Ein gerader, aufrechter Wein, sehr rein und mit perfekt integriertem Holz.
Mein Tipp: Probieren Sie ihn zu einer gegrillten Rinderrippe (vom Rind aus Coutancie zum Beispiel), oder versuchen Sie es mit einem lokalen, in Öl und Zitrone marinierten Stück Fleisch: Vogelstrauß, Kudu, Impala oder Nyala.
 
 
Pinotage: die emblematische Rebsorte Südafrikas
Die Rebsorte Pinotage ist das Ergebnis einer 1925 in Südafrika durchgeführten Kreuzung von Pinot Noir und Cinsault. Sie ist sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und wurde zunächst vorwiegend in der Produktion von Massenwein eingesetzt. Sie besitzt jedoch eine sehr eigene Persönlichkeit und ist in der Lage, ausgezeichnete Weine hervorzubringen, vorausgesetzt man begrenzt die Erträge und erntet die Beeren nicht zu spät, um übermäßigen Alkoholgehalt zu vermeiden.
In der Region von Stellenbosch, berühmt für Rotweine im Bordeauxstil, produziert das Weingut Warwick Estate, gegründet 1902 von Colonel Alexander Gordon, einem Helden des Burenkriegs, einen sehr angenehmen, in französischen Fässern ausgebauten Pinotage. Er überrascht in der Nase durch Aromen von Banane, Lakritz und roten Früchten und beeindruckt am Gaumen durch seine runde Textur und seidige Tannine.  
Mein Tipp: Ein netter, süffiger Wein, der keinem anderen gleicht und besonders im Sommer ein schöner Begleiter zu Gegrilltem und einem Salat aus sonnengereiften Tomaten ist.
 
Wenn Südafrika und Bordeaux zusammentreffen
Ein anderer interessanter Wein, den ich Ihnen hier empfehlen möchte, ist der Anwilka, insbesondere seine Jahrgänge 2005 und 2007, die sich durch Finesse und Frische auszeichnen. Dieser Wein ist das Ergebnis der Begegnung zweier berühmter Winzer aus dem Bordelais, Hubert de Bouard (Château l’Angélus in Saint-Emilion) und Bruno Prats (Château Clos d’Estournel in Saint-Estèphe) mit dem Besitzer des prestigeträchtigen Weinguts Klein Constantia, Lowel Jooste, dem wir u.a. die Renaissance des Vin de Constance verdanken.
Die drei leidenschaftlichen Winzer gründeten vor einigen Jahren ein 42 Hektar großes Weingut, das ausschließlich Rotweine produziert und dessen Rebstöcke dank der besonderen geografischen Lage (an den Osthängen des Tafelbergs) von der frischen Brise der False Bay profitieren. Die Kombination von bordelaiser Know-how und einem der komplexesten Terroirs Südafrikas brachte einen erstaunlichen Wein hervor, der durch seine Mischung aus Energie und Finesse besticht. Der Anwilka ist ein Verschnitt aus Syrah (50 %), Cabernet Sauvignon (46 %) und Petit Verdot (4 %): eine recht ungewöhnliche Mischung, die jedoch bereits im 19. Jh. von Louis d’Estournel in Saint Estèphe praktiziert wurde.
Der Jahrgang 2005 besitzt eine schöne, tiefe, zinnoberrote Farbe mit schwarzem Schimmer. In der Nase drücken sich dezente Anklänge an Brombeere aus und am Gaumen fasziniert der Wein durch Eleganz, Frucht und Frische. Was den Export betrifft, kam dem Anwilka das Lob von Robert Parker sehr zugute. Der Weinkritiker sah in ihm den besten südafrikanischen Rotwein. Wie dem auch sei handelt es sich um ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis. Noch besser schmeckt der Wein, wenn man ihn 24 Stunden vor dem Trinken öffnet.
Mein Tipp: Probieren Sie diesen Wein zu einem leicht angebratenen Thunfisch mit Zitrusfrüchten und Zitronengras, oder zu Schaschlik im holländischen Stil, verfeinert mit Paprika, Speck und Bananen. 
 
 
 
 
PRAKTISCHE HINWEISE
 
Wo bekommt man Vin de Constance?
Aux Caves Augé
116 bd Haussmann
Paris 75008
Tel: + 33 (0) 1 45 22 16 97
 
Chez Dionis-Vins
32 place de l’Eglise 69530 Orliénas
Tél : 04 72 31 02 06
Plus de 80 € la bouteille.
 
Wo bekommt man die Weine von Eben Sadie?
Aux Caves Legrand
1 rue de la Banque
75002 Paris
Tel: + 33 (0) 1 42 60 07 12
70 € für einen Weißwein Jahrgang 2007, 100 € für einen Columella 2005.
 
Wo bekommt man Warwick Pinotage?
Aux Vins du Monde
Les Hauts de Coueron, rue des Imprimeurs
44220 Coueron
22,10 € die Flasche Jahrgang 2007
 
Wo bekommt man Anwilka der Jahrgänge 2005 und 2007?
Aux Caves Legrand oder über Fidelis Wines
4 Voie Romaine
33610 Canéjan
Tel: + 33 (0) 5 56 80 91 30     
29 € für einen Jahrgang 2005, 27 € für den Jahrgang 2007

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