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Wartenberger Mühle - Martin Scharff belebt die Nordpfalz
Barbara Goerlich-13-04-2009
Kann ein Sonntag schöner sein? Beim „Menü der kleinen Köstlichkeiten“ mit einem Dutzend amuse gueules in vier Gängen wünscht man sich, der Sonntagmittag möge sich bis zum Abend dehnen. Die Einkehr in der Wartenberger Mühle bei Anja und Martin Scharff ist immer wieder eine Freude.
Fernab der Metropolen, ein Dutzend Kilometer nördlich von Kaiserslautern, beweisen sie, dass der Standort nicht das entscheidende Kriterium für gastronomischen Erfolg ist. Das historische Kreuzgewölbe des ehemaligen Kuhstalls mit den alten Tränken an der Wand bietet den perfekten Rahmen für die ideenreiche Küche von Martin Scharff. „Geht nicht, gibt’s nicht“, lautet seine gastfreundliche Devise.
Martin Scharff hat an den besten Adressen der Branche am Herd gestanden. Er absolviert die Hotelfachschule Heidelberg und wird als Patron des Restaurants „Zum kleinen Obristen“ in Dinkelsbühl 1991 erstmals vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Dieser Stern leuchtet seit 2001 auch über der Wartenberger Mühle. Scharffs Schwiegervater, ein bekannter Architekt, hat den idyllisch gelegenen Dreiseithof aus dem 16. Jahrhundert zu einem schmucken Kunstwerk ausgebaut. Das stilsichere Innenleben besticht durch klare Linien im Bauhaus-Stil, Alt und Neu verbinden sich harmonisch. Ausgesuchte Kunst schmückt die 17 geräumigen Zimmer, die trotz aller Strenge eine moderne Gemütlichkeit ausstrahlen.
Im Sommer wie im Winter hat die Mühle ihre Reize. Bei gutem Wetter sind die Restauranttische im Kräutergarten gedeckt, wo 160 Kräuter wachsen und der Blick bis ins Lohnsbachtal geht. Die Küche orientiert sich – natürlich – an den Jahreszeiten, ist französisch grundiert und mediterran ausgerichtet. Scharff würzt beherzt und beherrscht perfekt die Balance zwischen fein und deftig, wie beim Donauwaller auf Krautfleckerl mit roten Rüben, Meerrettich und Kartoffelstampf. Dabei frönt er auch immer wieder seiner Vorliebe für Innereien. Neben Reh, Taube oder Lamm steht dann eben auch mal „Bries und Schwanz vom Milchkalb mit Flusskrebsen und Kohlrabisalat“ auf der Karte. Im begehbaren Gewölbekeller liegen 350 deutsche und internationale Weine, die auch glasweise ausgeschenkt werden.
Im Zweitlokal „Molino“ schlägt sich die südländische Atmosphäre des Anwesens aufs Angebot nieder. An blank polierten Holztischen sitzt man im früheren Pferdestall und speist Perlhuhnbrust mit Limonenpolenta und mediterranem Grillgemüse oder in Kräuter-Olivenöl pochierten Loup de mer in Olivennage. Die Plätze im idyllischen Hof sind bei gutem Wetter heiß begehrt.
9 Fragen an: Martin Scharff, Patron der Wartenberger Mühle
Frage: Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Koch/Gastronom wären?
Scharff: Musiker, ich war in meiner Jugend zehn Jahre Mitglied der Dinkelsbühler Knabenkapelle.
Haben Sie ein Lieblingsgewürz und was machen Sie daraus?
Mein Favorit ist Basilikum, in meinem Kräutergarten wachsen zehn Sorten, die sich von der Vorspeise bis zum Dessert flexibel und variantenreich einsetzen lassen.
Was war Ihr größter (Küchen-)Flop?
Meine erste große Bankettveranstaltung mit 350 Personen: Mir ist das Fleisch ausgegangen. Das war sehr leerreich und ist mir seither nicht mehr passiert.
Was ist Ihr Leibgericht? Wer kocht es (Ihnen) am besten?
Der Sauerbraten mit Spätzle von meiner Mutter.
Was war das schlimmste, das Sie jemals gegessen haben?
Ein polnisches Fasanengericht - als Jurymitglied bei einem internationalen Kochwettbewerb in Poitiers/Frankreich.
Wo gehen Sie am liebsten essen und warum?
Ich habe kein dauerhaftes Lieblingsrestaurant, weil mich meine berufliche Neugierde ständig auf Entdeckungsreise schickt.
Wo und was machen Sie im Urlaub?
Im Urlaub komme ich nicht unbedingt zur Ruhe, da mich andere Länder interessieren. Ich fahre selten zwei Mal an einen Urlaubsort. Bis auf Australien und Neuseeland habe ich alle Kontinente bereist. Meine Favoriten sind Südafrika und Kalifornien.
Welche Menschen/Persönlichkeit/en würden Sie gern bekochen?
Ich würde gern mal eine Küchenparty mit Marius Müller-Westernhagen feiern.
Über welche Anerkennung/Auszeichnung haben Sie sich besonders gefreut?
Der Michelin-Stern als junger Koch mit 25 Jahren: Das war wie eine Reise mit der Rakete auf den Mond.
Land Art Hotel Wartenberger Mühle
Schlossberg 16
67681 Wartenberg-Rohrbach
Tel. 06302-92340
Fax. 923 48
