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Champ de Bataille: „grand style“ vom Stardesigner

02-12-2009

Von Éric Boucher
Jacques Garcia zählt zu den angesagtesten Innenarchitekten der Welt. Man verdankt ihm unter anderem die Einrichtung des Hôtel Costes, des Nobelrestaurants Fouquet's und des „Museums des romantischen Lebens“ in Paris, die Renovierung des Luxushotel La Mamounia in Marrakesch sowie das Innendesign des New Yorker Restaurants Spice Market von Jean-Georges Vongerichten. Hier öffnet er uns die Türen zu seinem prachtvollen Schloss in der Normandie, ein Gesamtkunstwerk, mit dem uns der Stilkünstler seine Interpretation des französischen 17. und 18. Jahrhunderts offenbart.


Wenn man sieht, wie sich die Ausgeburten zeitgenössischer Architektur wie Metastasen in unseren Städten, Vororten und Landschaften ausbreiten, ist man versucht, sich der Analyse des Philosophen Cornélius Castoriadis anzuschließen, der die moderne Epoche als die des „positiven Hasses des Schönen“ beschreibt. Es gibt jedoch auch persönliche Initiativen, die versuchen, zu retten, was zu retten ist und Oasen reiner Schönheit entstehen lassen, fernab von Modetrends und allgemeingültigen Ideologien. In diese Kategorie lässt sich auch das von Jacques Garcia restaurierte Château du Champ de Bataille einordnen.
 
Jacques Garcia hat „sein“ Schloss nicht von seinen Vorfahren geerbt. Er kaufte Champ de Bataille 1992 und ist seither unermüdlich damit beschäftigt, es zu „füllen“, zu verschönern und zu einstiger Größe zurückzuführen, ganz im Geist des „Grand Siècle“, in dem das Schloss errichtet wurde.
Unzählige französische Schlösser wurden im Zuge Revolution oder diverser Erbstreitigkeiten zerstört oder ausgeräumt. Andere leerten sich nach und nach, weil man durch den Verkauf einer alten Standuhr die Reparatur des Daches finanzieren konnte. Champ de Bataille dagegen erfährt heute ein entgegengesetztes Schicksal. Jacques Garcia bereichert seine Sammlung beständig um neue Stücke und füllt sein Schloss mit außerordentlichen Kunstwerken und Möbelstücken. Die Auswahl erfolgt dabei nicht nach strengen, wissenschaftlich kühlen museografischen Kriterien. Auch ist hier keine Spur von jener bescheidenen Authentizität, wie sie Familien pflegen, die sich ihr Schloss von Generation zu Generation weitervererben. Champ de Bataille ist vielmehr ein ebenso prachtvoller wie einladender Hauptwohnsitz, und zwar ganz im Stil des Mannes, der ihn sich geschaffen hat. Ein wenig fühlt man sich an Viollet-le-Duc und an Nissim Camondo erinnert bei diesem Versuch, den Geist einer Epoche und nicht deren historisch etablierte Realität zu rekonstruieren: „Mir schwebte ein Schloss vor, das den Stil des 17. und 18. Jh. aus der Perspektive des Jahrs 2000 wieder aufleben lässt. Es ist immer gut, wenn man einen neuen Blick auf das Alte wirft, einen Blick der, auch wenn er sich etwas vom Original entfernt, der gleichen Philosophie folgt.“ Champ de Bataille ist eine Lektion in Sachen Stil und zugleich ein sehr französischer Ort, bzw. ein Ort, der sich an Italien und der Antike inspiriert, so wie es im Frankreich des 17. Jh. üblich war.
 
Zur Geschichte des Hauses
Seinen Namen, der wie eine Kriegserklärung klingt, verdankt das Schloss einer Schlacht, die sich lange vor seinem Bau im Jahr 935 an diesem Ort abgespielt hat: Wilhelm Langschwert, der zweite Graf der Normandie, erkämpfte hier einen für die Unabhängigkeit der Normandie entscheidenden Sieg.
Ein paar Jahrhunderte später ließ sich hier im Jahr 1651 Alexandre de Créqui nieder. Als Mitglied der Fronde und Freund des Fürsten von Condé war Alexandre de Créqui nach der Verhaftung durch der Mazarin ins Exil in die Provinz geschickt worden. In Erinnerung an die Pracht des königlichen Hofes ließ einen herrlichen Palast errichten. Später erbte sein Neffe Anne-François d’Harcourt, Herzog von Beuvron und Gouverneur der Normandie, das Schloss. Während der französischen Revolution wird das Schloss 1795 geplündert. Nachdem es lange Jahre leer stand, wurde es im 20.Jh. zunächst als Waisenhaus, dann als Kriegsgefangenenlager genutzt.
Besonders auffällig an der Architektur des Palasts ist die äußerst theatrale Inszenierung der beiden fast identischen Gebäude aus Stein und Backstein, die parallel zueinander an den gegenüberliegenden Seiten eines großen Innenhofes stehen. Eines der Gebäude war der herrschaftliche Wohnsitz, während das andere die Stallungen beherbergte.
 
Jacques Garcia hat „sein“ Schloss nicht von seinen Vorfahren geerbt. Er kaufte Champ de Bataille 1992 und ist seither unermüdlich damit beschäftigt, es zu „füllen“, zu verschönern und zu einstiger Größe zurückzuführen, ganz im Geist des „Grand Siècle“, in dem das Schloss errichtet wurde.
Unzählige französische Schlösser wurden im Zuge Revolution oder diverser Erbstreitigkeiten zerstört oder ausgeräumt. Andere leerten sich nach und nach, weil man durch den Verkauf einer alten Standuhr die Reparatur des Daches finanzieren konnte. Champ de Bataille dagegen erfährt heute ein entgegengesetztes Schicksal. Jacques Garcia bereichert seine Sammlung beständig um neue Stücke und füllt sein Schloss mit außerordentlichen Kunstwerken und Möbelstücken. So entstand ein ebenso prachtvolles wie einladendes Ensemble ohne jegliche museografische Strenge, denn Jacques Garcia geht es darum, den Geist einer Epoche und nicht deren historisch etablierte Realität zu rekonstruieren: „Mir schwebte ein Schloss vor, das den Stil des 17. und 18. Jh. aus der Perspektive des Jahrs 2000 wieder aufleben lässt. Es ist immer gut, wenn man einen neuen Blick auf das Alte wirft, einen Blick der, auch wenn er sich etwas vom Original entfernt, der gleichen Philosophie folgt.“ Champ de Bataille ist eine Lektion in Sachen Stil und zugleich ein sehr französischer Ort, bzw. ein Ort, der sich an Italien und der Antike inspiriert, so wie es im Frankreich des 17. Jh. üblich war.
 
Beim Gang durch den Teil des Schlosses, der zur Besichtigung freigegeben ist, kommt der Besucher aus dem Staunen nicht heraus. Die Opulenz des Dekors ist überwältigend und die in über dreißig Jahren entstandene Sammlung aus Möbeln und Kunstobjekten ganz einfach einmalig. Der eindrucksvollste Raum ist der Salon d’Hercule, der sich am Palazzo Colonna und an der Villa Borghese inspiriert. Das Deckengemälde aus dem 17. Jh. und die barocke Mineralität des Saals, mit Wandtäfelung und Pilastern aus Marmor, lässt natürlich an den berühmten Herkulessalon des Schlosses von Versailles denken. Übrigens befindet sich in diesem Raum auch eine Büste aus der Antikensammlung des Kardinals Mazarin und später Ludwigs XIV., deren Pendant heute im Spiegelsaal steht. Das Paradezimmer, ebenfalls Teil der Gemächer aus dem 17. Jh. weist ein paar wahre Schätze auf, darunter einen Sessel, der einst dem Sohn Ludwigs XIV., dem „Grand Dauphin“ gehörte, Vorhänge mit Lilienmotiv, die beim Brand des Tuilerien-Palasts 1871 gerettet werden konnten, und eine Büste Ludwigs XV. als Kind.
Im Esszimmer, das die schönste Aussicht auf den Garten bietet, ist ein herrliches Tafelservice aus Sèvres-Porzellan vom Ende des 18. Jh. zu bewundern, sowie mehrere Stühle aus der Zeit Ludwigs XV. aus königlichem Besitz. Der große Salon Louis XVI ist seinerseits ganz der Lebenskunst des ausgehenden 18. Jh. gewidmet, mit Möbelstücken, die den Stempel berühmter Kunsttischler wie Foliot, Boulard, Delanois und Carlier tragen, darunter insbesondere ein Sessel, den Ludwig XV. für seine Mätresse Madame du Barry bei Foliot in Auftrag gegeben hatte.
 
Praktische Hinweise
Champ de Bataille befindet sich in der Normandie, in der Gemeinde Neubourg, rund 130 km (eineinhalb Stunden mit dem Auto) von Paris entfernt.
Schloss und Park können von Ostern bis Allerheiligen besichtigt werden.
An Wochenenden und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr
Im Mai täglich von 14 bis 18 Uhr
Im Juli und August von 10 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene 10 € / Kinder von 6 bis 12 Jahren 8 € / Eintritt frei für Kinder unter 6 Jahren
Tel.: + 33 (0) 2.32.34.84.34 
Website: www.duchampdebataille.com

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