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Gastronomie rund um den Gendarmenmarkt: Von rustikal bis nobel, von günstig bis teuer
Barbara Goerlich-19-10-2009
In diesem Jahr feiert Berlin 20 Jahre Mauerfall. In dieser Zeit hat die Gastronomie der deutschen Hauptstadt einen enormen Entwicklungsschub getan.
Sterneküche findet sich in einigen Hotels, allen voran mit Chefkoch Christian Lohse, der mit zwei Sternen fürs Restaurant „Fischers Fritz“ im Regent Hotel die Spitze anführt.
Das Regent liegt am Gendarmenmarkt, dem gastronomischen Herz des neuen Ortsteils Berlin-Mitte, zu dem auch die Stadtteile Tiergarten und Wedding gehören. Und damit ein Großteil der wichtigsten Berliner Sehenswürdigkeiten: Brandenburger Tor, die Straße Unter den Linden, Humboldt-Universität, Museumsinsel, Fernsehturm und die zahlreichen Einrichtungen der Bundesregierung.
Angesichts ihrer Promidichte genießen die Lokale am Gendarmenmarkt - und ihre Wirte - geradezu Kultstatus. Die kulinarische Szene rund um den schönsten Platz Berlins floriert. Das muss nicht immer nur teuer und superedel sein.
In den Gassen des historischen Nikolaiviertels etwa ist das alte Berlin lebendig. Rustikale Kneipen und Lokale setzen auf Ur-Berliner Küche und oftmals hausgebrautes Bier: Gute Adressen sind das Gasthaus "Mutter Hoppe", die "Letzte Instanz" und auch in der „Berliner Republik“ am Schiffbauerdamm gibt’s Küche wie bei Muttern – sogar bis sechs Uhr morgens - von Currywurst bis Kohlrouladen, Eisbein, Wiener Schnitzel und Bratwurst und - einzigartig in Berlin - 18 Sorten Bier vom Fass.
Die Hackeschen Höfe, das größte geschlossene Hofareal Deutschlands, stehen seit 1972 unter Denkmalschutz. Sie sind mit ihren unzähligen Restaurants, Bars, Clubs und Boutiquen ein idealer Ausgangspunkt fürs Berliner Nachtleben.
Im 1. Jugendstilhof lockt das berühmte „Oxymoron“, tagsüber Café und Business Lunch-Restaurant, abends wandelt es sich zum eleganten Speisesalon im Ambiente der 20er Jahre mit einem Hauch Art Deco. Auch die Kultur ist mit Varieté, Hoftheater, Kino und Künstlerateliers in den Höfen vertreten.
Im Sommer wandelt sich die Szenerie rund um die Oranienburger Straße und den Oranienburger Platz ohnehin zu einer einzigen großen Party unter freiem Himmel. Edel und urig geht es im „Brauhaus Lemke“ im denkmalgeschützten S-Bahnbogen an der Dircksenstraße am Hackeschen Markt zu. Deutsche Küche von Buletten bis Grillhaxe mit selbstgebrauten Bieren machen den Reiz des schönen Lokals aus.
Der Potsdamer Platz, einst Europas größte Baustelle, ist ein Ort mit hoher Anziehungskraft auf Touristen: Shopping, Restaurants, Casino und das Musical-Theater ziehen Besucher an. Mit dem "40seconds" hat sich hier einer der besten Roof-Clubs von Berlin etabliert. 40 Sekunden mit dem Lift bringen die Gäste hinauf: Ihnen erschließt sich ein grandioser 360 Grad-Rundblick über das nächtliche Berlin. Dazu gibt’s Cocktails, Snacks und gute Musik. Bei den Sky Nights ist der Eintritt frei.
Riesige Schwarz-Weiß-Fotografien des Starfotografen Helmut Newton schmücken die Wände der „Newton Bar“. Tagsüber eine nette Cafe-Bar, wandelt sie sich abends zum Anziehungspunkt für flirtlustige Großstädter. Inhaber Joseph Laggner betreibt auch das erfolgreiche Restaurant "Lutter & Wegner" nebenan, das zwei Ableger im Kaisersaal und im Weinhaus Huth am Potsdamer Platz hat. Alle bieten exzellente Weine und österreichisch inspirierte Feinkost.
Auch das „Aigner“ am Gendarmenmarkt bietet eine schöne Kulisse für ein gediegenes Essen - mit Blick auf den Französischen und den Deutschen Dom. Das ist ein bisschen wienerisch, aber auch berlinerisch und eben typisch Aigner: Wiener Charme in Berlin in Küche und Keller. Dazu Weine vom eigenen Weingut Horcher in der Pfalz.
Wer feine hausgemachte Kuchen und Torten liebt sitzt im „Café Möhring“ richtig. Bei Kaffee, Kuchen und einem Platz an der Sonne zum Relaxen vom Sightseeing. Schräg gegenüber in der Jägerstraße liegt in einem idyllischen Innenhof das „Guy“. Auf vier Ebenen bietet Inhaber Hartmut Guy Café, Bar und Weinstube. Berühmt ist die üppig bestückte Meeresfrüchte-Etagère. Ganz aktuell ist das Jubiläumsmenü zum 10jährigen Bestehen des Lokals.100 offene Weine lassen kaum Wünsche offen.
Das „Bocca di Bacco“ wird als elegantestes Restaurant am Platz gerühmt. Bei Alessandro Mannozzi trifft sich die große Welt, Botschafter, Intellektuelle, Filmstars, und speist Ex-Kanzler Gerhard Schröder gern chili-„heiße“ penne arrabiata.
Als einziges Sterne-Lokal am Gendarmenmarkt ist allein das „Vau“ übrig geblieben. Der aus dem Fernsehen bekannte Chefkoch Kolja Kleeberg ist jetzt auch Pächter des architektonisch gelungenen Lokals. Meisterarchitekt Meinhard von Gerkan hat das Vau in der Verbindung von Glas und Stahl, Schiefer, Birnbaumholz und Thonet-Stühlen einmalig gemacht.
Zu den beliebtesten Treffpunkten der Hauptstadt und in Mitte gehört das „San Nicci“ im Admiralspalast an der Friedrichstraße. Das italienische Restaurant gehört zum Gastro-Reich von Borchardt-Chef Roland Mary. Sitzgruppen zwischen hohen Säulen unter stuckverzierten Decken bieten jedem etwas: Ristorante, Bar, Café. Apropos „Borchardt“: Mit dieser Brasserie fing in Mitte damals alles an. Sehen und gesehen werden ist hier genauso wichtig wie das Essen. Wohl nirgends in der Hauptstadt ist der Promifaktor höher: Schauspieler, Politiker und Wirtschaftsbosse geben sich die Klinke in die Hand.
Heiß begehrt sind auch die Tische im „Grill Royal“ an der Friedrichstraße. Das Edel-Steakhaus am Spreeufer ist angesagt und schick. Die Grilladen - Entrecôte, Rinderfilet, Roastbeef, Wagyu-Steak - gehören zu den besten der Stadt. Doch auch Meeresfrüchte und Gemüse kommen allesamt vom Rost. Das Stammpublikum kommt meist aus der kreativen Szene. Hier, mitten im Bermuda-Dreieck der Ausgehszene – unweit von Grill Royal, San Nicci und Cookies –, liegt auch das „Tausend“: Club und Bar für Filmschaffende, Models, DJs und Werber.
Wer ganz hoch hinaus möchte, ist im 368 Meter hohen Fernsehturm am Alex (Alexanderplatz) richtig. Die riesige Kugel in gut 200 Metern Höhe hat einen Radius von 32 Metern. Hier sind Panoramaetage und Restaurant untergebracht. Das Restaurant - und damit auch die Tische des „Telecafé“ – dreht sich innerhalb von 30 Minuten einmal um die eigene Achse. Die Stadtrundfahrt ist quasi inklusive, während man Caesar Salad oder Ragout fin verspeist. Hier werden in der „höchsten Bar Berlins“ zu den Happy Hours – zwischen 12 und 14 und 17 bis 19 Uhr süffige Cocktails unter anderem auf Basis von Tee geschüttelt und gerührt.
In Berlin-Mitte bleibt niemand hungrig oder durstig, es gibt für jeden etwas. Zum Wohl und „Guten Appetit“.
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