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Restaurant L’Olivier, kein Grieche wie jeder andere (Paris)

01-09-2009

Von Emmanuel Tresmontant
Nur einen Steinwurf von der Place de la République entfernt interpretiert der Athener Alexiou Vassili zur großen Freude der Pariser Gourmets alte, in Vergessenheit geratene Rezepte seiner Heimat neu. Eine echte Offenbarung!

Gute griechische Restaurants sind in Paris eher dünn gesät. Das L’Olivier dagegen ist in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes! Tarama, Moussaka, Tzatziki und Souvlaki sucht man hier auf der Karte vergeblich. All diese Speisen, die in der Form, wie man sie heute in der französischen Hauptstadt serviert die traditionelle griechische Küche symbolisieren, haben kaum noch etwas mit den ursprünglichen Rezepten zu tun.
 
Tarama zum Beispiel wird in Griechenland, wie Alexiou Vassili uns erklärte, „nur um Ostern während der Fastenzeit zubereitet, und zwar als Fleischersatz. Moussaka wiederum ist ein Gericht, das sehr lange im Ofen gart und nur mit Sommerauberginen und echtem griechischen Joghurt zubereitet wird. Hier in Paris bieten Restaurants und Feinkostläden Moussaka das ganze Jahr über an und sie sparen dabei nicht an Bechamelsoße!“


© L'Olivier

Der vor 34 Jahren in Athen geborene Alexiou hat seine Frau Orfanidis Niki auf der Insel Santorin kennen gelernt. 2006 beschloss das junge Paar, sich in Paris niederzulassen. Im Juni 2007 eröffneten sie am Boulevard du Temple das Restaurant L’Olivier mit der festen Absicht, sich von dem zu differenzieren, was man für gewöhnlich in der französischen Hauptstadt als griechische Küche verkauft.
 
„Wir bemühen uns, zum authentischen Geschmack dieser Küche zurückzufinden, denn griechische Küche ist sehr viel abwechslungsreicher und vielfältiger als man hier meint. Dazu haben wir alte Originalrezepte wieder ausgegraben, die schon lange in Vergessenheit geraten waren, wie Weizensalat oder Löwenzahnsalat, Lammbraten aus dem Ofen, begleitet von mit schwarzem Trüffel verfeinertem Bulgur (ein Rezept aus Kreta), Kabeljau mit Aioli und Bottarga-Risotto (ein traditionelles Gericht von den Kykladen), Frischkäse mit Kardamom, Muskatrosinen und Honig (eine traditionelle Nachspeise von der Insel Patmos) und Grieskuchen mit Honig und Korinthen begleitet von Halva-Eis (ein Hochgenuss!).“
 
Der ebenso authentische wie subtile Geschmack dieser Gerichte basiert natürlich auf den Zutaten, die frisch aus ganz Griechenland importiert werden, wie Bottarga von den Ionischen Inseln, Honig, wilder Salbei und Olivenöl aus Kreta, getrocknete Tomaten und Fava-Bohnen aus Santorin.


© L'Olivier

Alexiou und Orfanidis üben ihren Beruf mit Leidenschaft aus und teilen die gleiche Begeisterung für echte griechische Gastronomie. „Die griechische Küche hat sich mehr und mehr von ihren eigentlichen Wurzeln entfernt und ist zum Stereotyp verkommen. Dennoch geht es uns nicht darum, irgendein mythisches Goldenes Zeitalter wieder aufleben zu lassen. Wir sind keine Fanatiker eines imaginären wahren und inzwischen verloren gegangenen Geschmacks. Unsere Küche hat auch einen zeitgenössisch kreativen Anspruch.“
 
So lässt Alexiou gern auch einmal seiner Inspiration freien Lauf und kreiert Gerichte; die einen Heston Blumenthal vor Neid erblassen lassen könnten, wie zum Beispiel Kartoffeltrüffel in Kakao-Gelee begleitet von Kapern und Sahne mit schwarzem Trüffel, oder auch Rote-Beete-Tagliatelle mit marinierten Sardellen und Koriander …
 
Tradition und Kreation sind im L’Olivier kein Widerspruch und ganz gleich welches Register der Koch auch zieht, die Gerichte, die hier serviert werden sind allesamt überraschend, einfallsreich und präzise zubereitet. Kurz: eine Adresse, die man sich merken sollte!

L’Olivier

15, boulevard du Temple 75003 Paris
Tel.: + 33 (0)1 42 77 12 51
Tagesmenü mittags: 13 € (Vorspeise und Hauptgericht oder Hauptgericht und Dessert) 
Diner à la carte zwischen 30 und 40 €.
20 Gedecke innen und 12 auf der Terrasse.
Geöffnet täglich außer Samstagmittag und Sonntag.
 
Was den Wein betrifft hatten Alexiou Vassili und Orfanidis Niki die gute Idee, die großartigen Santoriner Weißweine des Weinguts Hatzidakis auf die Karte zu setzen, sowie den wunderbaren Muscat de Rio Patras des Weingutes Parparoussis: Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

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