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Champ de Bataille: Le Nôtre neu interpretiert

26-01-2010

Von Éric Boucher
Das Schloss Champ de Bataille ist ein Meisterwerk des französischen Barock und verdiente als solches auch einen Park, der zu ihm passt. Einen Park, dessen Geometrie, der großen französischen Tradition folgend, die architektonischen Linien durch Perspektiven und Wasserbecken verlängert. Zusammen mit Jacques Garcia, dem heutigen Besitzer des Schlosses, besuchten wir dieses 1993 eingeleitete pharaonische Gartenprojekt.


Es gibt Katastrophen, die man auch als Wink des Schicksals verstehen kann. Ein solcher war der große Sturm, der 1993 den englischen Garten des Schlosses Champ de Bataille völlig verwüstete. Kein einziger großer Baum war stehen geblieben und Jacques Garcia, der das Anwesen gerade erst ein Jahr zuvor erworben hatte, spielte mit dem Gedanken, sich wieder davon zu trennen. Schließlich überlegte er es sich jedoch anders und traf eine folgenschwere Entscheidung, die er bis dahin nie in Erwägung gezogen hatte: den Park in einen französischen Barockgarten zu verwandeln.
 
Obwohl der große Gartenarchitekt Le Nôtre vorwiegend in der Gegend von Paris tätig war, existiert eine Gartenzeichnung für Champ de Bataille, die ihm zugeschrieben wird. Sich auf diese Entdeckung stützend, begann Jacques Garcia mit den Erdarbeiten und schon bald sollten Ausgrabungen weitere Beweise für die Richtigkeit seiner Interpretation liefern: Es hatte tatsächlich früher an dieser Stelle einen Garten gegeben, der dem der archivierten Zeichnung entsprach. Die Frage war nun, ob man diesen Garten exakt in seiner einstigen Form wieder herstellen sollte. Eine rhetorische Frage, denn es ging Jacques Garcia von je her darum, den Geist bzw. die Seele eines Ortes herauszuarbeiten, ohne dabei dem Anachronismus zu verfallen. So war es auch mit Champ de Bataille: Was Garcia vorschwebte, war ein Garten im Stil von Le Nôtre, aber keine simple Nachahmung. Damit stand also außer Frage, ein 17. Jh. aus dem Nichts wieder auferstehen zu lassen. Stattdessen übernahm man alte und antike Elemente, um sie in einen zeitgenössischen Kontext einzubinden: „Auf der Grundlage von Originaldokumenten habe ich sehr moderne Sachen erfunden, um nicht nur halbherzig sondern voll und ganz in meiner Zeit zu stehen.“
 
Der Park in Zahlen
Die Gesamtfläche des Parks beträgt ca. 45 Hektar. Beim Gang durch den Garten fällt es schwer, sich vorzustellen, dass die ganze Anlage erst in der jüngsten Vergangenheit entstanden ist und dass über eine Million Kubikmeter Erdreich verschoben wurden, um den Parterres und Terrassen die Form zu geben, die sie ursprünglich im 17. Jh. hatten. Die ebenfalls wieder hergestellte, vom Schloss ausgehende Hauptachse ist 1,5 km lang. Um zu verhindern, dass der Blick entlang der Nebenachsen in den umliegenden Feldern endet, wurde das Terrain an manchen Stellen um bis zu 10 m aufgeschüttet. So scheinen heute alle Achsen auf den Himmel und seine blaue Unendlichkeit zuzulaufen. Außerdem wurden ein 550 m langer Kanal gegraben und Wasserspiele eingerichtet.
 
Diesem Prinzip treu bleibend, wird der Park von Champ de Bataille von zahlreichen Elementen aus der Antike geziert: über römische Sarkophage, Säulen und Statuen bis hin zu den Treppenstufen, die die große Kaskade umrahmen. Letztere stammen aus phönizischer Zeit und sind über 2.000 Jahre alt. „Le Nôtre war vom italienischen Stil fasziniert und so sehr er auch den französischen Garten schuf, war die Quelle seiner Inspiration doch italienisch. Ich wollte zu dieser Quelle zurückfinden, denn als typisch französischer Ort bezieht Champ seine Inspiration nun einmal aus der Antike“. Dies illustriert auch der „Trésor de Léda“, ein kleiner Tempel, der das Pendant zu den Triumphbögen im römischen Stil am Eingang des Schlosses bildet. Dieses kleine Meisterwerk, das Jacques Garcia in allen Einzelheiten selbst entworfen hat, besteht aus antiken Säulen und Statuen, einem Gesims aus römischer Zeit und aus Steinblöcken, die aus einer Mauer in der Stadt Rouen aus dem 13. Jh. stammen. Die Innenauskleidung besteht aus Halbedelsteinen.
 
Den zentralen Teil des Parks mit seinen herrlichen Buchsbaumbroderien zieren Originalstatuen aus dem 17. Jh. sowie Vasen aus der gleichen Zeit, die alle vom gegenwärtigen Besitzer hierher gebracht wurden. Die große Kaskade inspiriert sich direkt an der des Parks von Saint-Cloud bei Paris, von deren Masken und Vasen Jacques Garcia Bleiabgüsse anfertigen durfte. Die verschiedenen kleine Gartengebäude, auf Französisch „Fabriques“ genannt, sind ein weiteres Schlüsselelement zum Verständnis dieses Garten, da sie perfekt den Ansatz von Jacques Garcia illustrieren: „Ich hasse Brüche, ich bin gegen brutale Einschnitte“. So stammt eine Fabrique zum Beispiel aus dem Schlosspark von Marly-le-Roi, während eine andere ein wunderbarer Überrest der Treppe des Tuilerien-Palasts ist, der während der Pariser Kommune zerstört wurde … Alles in diesem Park verweist auf heute verlorene Zeugen der Vergangenheit, als suche Jacques Garcia nach dem „Missing Link“ im französischen Kulturerbe.
 
 
Praktische Hinweise
Champ de Bataille befindet sich in der Normandie, in der Gemeinde Neubourg, rund 130 km (eineinhalb Stunden mit dem Auto) von Paris entfernt.
Schloss und Park können von Ostern bis Allerheiligen besichtigt werden.
An Wochenenden und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr
Im Mai täglich von 14 bis 18 Uhr
Im Juli und August von 10 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene 10 € / Kinder von 6 bis 12 Jahren 8 € / Eintritt frei für Kinder unter 6 Jahren
Tel.: + 33 (0) 2.32.34.84.34 
Website: www.duchampdebataille.com

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